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Herr Direktor und
verehrte Lehrkräfte, danke für Ihren
Einsatz, Großvater von Mathis De
Brabandere (° 2002), gezeichnet
JM-Kortrijk |
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„EINLEITUNG:
Erwachsene
INSPIRATION: Die Philosophie dieser
Geschichte hat als Unterton
Geborgenheit, das Kind/der
Erwachsene lernt, was Freundschaft
ist.
KIND: Dieser Text ist nur als
Leidfaden gedacht, um ihn in der
gesprochenen Sprache des Kindes
weiterzuerzählen.
ERWACHSENE: Die Verwendung von
Poesie und die einfache
Kindersprache in der Erzählung sind
eine Verwebung des Erwachsenen und
des ewigen Kindes in uns.“
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Die Schultern nach vorne und mit dem
kräftigen Hals links und rechts
nickend und ab und zu schnaubend, um
sich selbst neue Kraft zu geben,
drückt das Pferd seine Hufe schräg
nach hinten in den Boden.
Hinter Blesses Rücken quietscht die
schwere Walze.
Bauer Jan geht mit sicheren
Schritten auf der von Hufschlägen
gezeichneten Erde, schweigend, mit
Siebenmeilenstiefeln stapft Klein
Toontje neben Bauer Jan her. Ein
Glöckchen klingelt hoch oben an
Blesses Hals, es klingt voller Musik
und macht die Arbeit leicht. |
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Kinderzeichnung von Peter |
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Die noch nicht so hoch stehende
Sonne scheint in Bauer Jans
gefurchten Nacken, die Wärme des
großen Pferdes kribbelt in ihren
Nasen, sie schreiten weiter, langsam
und sicher. Die drei drücken den
störrischen Brocken platt, hin und
her plättet die Walze.
Gegen Mittag reiben sich die Stiefel
des kleinen Jungen an Blesses
dampfenden Schultern.
Blesses Körper bebt, vorsichtig um
keine Last zu sein, hilft der kleine
Junge immer wieder dem Körper des
schweren Pferdes, indem er das Auf-
und Niedergehen abfedert.
„Man sieht es nicht, aber Bauer Jan
fühlt sich glücklich. “ |
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Die Walze trommelt hier auf dem
Kopfsteinpflaster und dort trägt das
Gras das schwere Gewicht. Sie sind
jetzt in den geraden Weg zum Hof
eingebogen. Wild und unbekümmert
trippelt und trabt neben der Stute
ein Fohlen am Stacheldraht entlang.
Mutter Stute, mit einer Wolldecke
versehen, wiehert und hat für eine
Weile die saftige grüne Wiese
vergessen. |
Toontjes Haus war nicht groß. Das
gepachtete Häuschen benötigte dringend
ein neues Dach. Denn auf dem Dachboden,
auf den der Junge zuletzt mit Mama
mitgegangen war, standen an bestimmten
Stellen verschiedene Töpfe, und diese
mussten nach einem Regenschauer dringend
geleert werden.
Und im soeben vorbeigegangenen Winter
hatte Papa einen sehr großen Schneeball
auf der Treppe nach unten gerollt, der
Pulverschnee hatte durch die klaffenden
Dachpfannen hindurch einen Schneeteppich
gelegt.
Papa und Mama hatten keinen Luxus, aber
arbeiteten hart und wenn sie gesund
blieben und ihre Arbeit weitermachen
konnten, dann würden sie selbst ein
Wohnhaus kaufen, das hatte Mama schon
ausgerechnet.
Es wurde sparsam gelebt. Toontje war ein
Einzelkind und sein bester Spielkamerad
war Dolly, ein lebhafter kleiner Hund.
Sie stürmten zu zweit mit solch einer
Ausgelassenheit ins Haus herein und
wieder hinaus, dass es Mama auf die
Nerven ging.
Was der Knabe diesen Mittag gegessen
hatte, war nicht wichtig, denn draußen
war es schönes Wetter und dort lag eine
wunderbare Welt.
Die Phantasie wurde durch so viel freien
Platz angeregt. Man erstickt dort nicht,
man kann ausbrechen. Auf dem Lande
vertrug die Natur die verrücktesten
Kunststücke.
Man war nur ein Stecknadelkopf und doch
fühlte man es nicht. Alles, was man sah,
war dort notwendig, es war schon seit
Jahren so, es gedieh hier gut.
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Sieh Toontje da nun stehen mit dem
Gesicht zur Wand, hin und wieder mit
einem Fuß auf den Boden stampfend.
Höre ich Toontje nicht schnauben ...
neben ihm liegt ein Ziehbalken aus
einem Zweig mit Schnüren.
Der kleine Kerl hatte gestern
unterwegs den Zweig abgerissen.
Alles, was man braucht, wächst hier
auf den Feldern.
Bald kommt Bert und dann würden sie
mit ihrem Holzkarren auf den
holprigen Wegen fahren. Bertje hatte
sich heute etwas verspätet, aber das
hatte der Junge nicht einmal
gemerkt, denn Toontje war ein Pferd,
und so musste man lange im Stall
still stehen können, tief in
Gedanken versunken und hin und
wieder schaudern wegen der schönen
Erinnerungen, man musste mit dem
Bein stampfen, bis es taub wurde, um
zu zeigen, wie hart und stark man
war. Und für einen Klaps in den
Nacken ist man gewillt, denn
Freundschaft tut gut.
Toontje spielte immer das Pferd, das
war eine Rolle, die ihm am besten
lag. Einen Bauern spielen, nein, das
nicht, es ist zu einfach. Und
außerdem, wie sollte er einen Bauern
spielen können. Toontje mit seinen
Pferdegefühlen einem Pferd befehlen?
Es gibt nichts zu sagen, denn das
Pferd weiß alles, was es tun muss.
Der Abend kam viel zu früh für
Toontje, der kleine Mann fühlte sich
diesen Abend allein.
Und hatte er das kleine Fohlen auf
der Weide auch nicht allein gesehen?
War das kleine Pferd nicht
seinetwegen mit der Stute mit zum
Hof gelaufen? Das Kind hatte Mitleid
mit dem kleinen Fohlen, als es
dachte, dass es wachsen musste, um
hart zu arbeiten und um dann auch
noch viel allein im Stall zu stehen.
„Mama“, sprach das Kind. „Mama,
statt eines Häuschens, kaufe das
Fohlen von Bauer Jan.“ |
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Pferd in Gedanken versunken |
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Mama nahm ihren kleinen Liebling auf
den Schoß und erzählte.
„Es war einmal ... “ Der Junge
schmiegte sich an Mamas Schoß.
In einem kleinen Haus, verfallen und
armselig, wohnte eine kleine
Familie: Papa, Mama und ein kleiner
Junge. Papa und Mama mussten hart
arbeiten, dann hatten sie gerade
genug, um für den Lebensunterhalt zu
sorgen.
Jantje, so hieß der Sohn, ein
fleißiger Junge, denn nach der
Schule ging er helfen bei Bauer
Docus, er arbeitete, als ob es für
sich selbst war, darum bekam er
etwas Taschengeld von Bauer Docus.
Es war Frühling und auf dem Hof von
Bauer Docus wurde ein Fohlen
geboren. Sofort war Jantje vernarrt
und taufte das Fohlen Blesse, wegen
des weißen Fleckens auf der Stirn
des Fohlens, das wäre ein guter
Name, hatten sie ihm eingeflüstert.
Jantje sparte sein Geld von der
Abendarbeit, um Bauer Docus' Fohlen
zu kaufen. Du wirst es nicht
glauben, aber der Junge schuftete
während seiner Sommerferien so hart,
dass er genug für den Kauf zusammen
gespart hatte.
Stolz ging der kleine Mann mit
Blesse an der Hand nach Hause, das
Fohlen wurde frei gelassen auf einem
gepachteten Stück Land, das Bauer
Docus gehörte. Täglich brachte unser
Jantje extra gemähtes Gras vom
Straßengraben für seinen Liebling.
Es blieb nicht Sommer, und das Gras
wurde knapper, und Jantje hatte so
viel Arbeit mit seinem
„Kuscheltier“, dass Bauer Docus den
Jungen noch seltener sah als das
hohe Gras.
Es wurde kalt und Jantje hatte schon
seit einigen Tagen daran gedacht.
Blesse brauchte einen Stall, aber da
das Geld fehlte, um einen Stall zu
bauen, wurde das Fohlen mit der
Hilfe von Pa und Ma über die Treppe
auf den Dachboden geschoben. Was
würden Eltern nicht tun, um ihre
Kinder glücklich zu machen. Aber die
Arbeit, die der Sohn jetzt tun
musste, um für Sauberkeit zu sorgen
und den Geruch fernzuhalten, war zu
schwer.
Das Kind schaffte es nach einer
Woche nicht mehr und weinte vor
Ohnmacht und Verdruss. In seiner
großen Traurigkeit sah er in die
großen Augen von Blesse und
plötzlich wusste er es. Es fiel ihm
wie Schuppen von den Augen ….
Er hatte alles getan, um sein
Lieblingstier in seiner Nähe zu
haben, aber er hatte nicht daran
gedacht, dass das Fohlen trotz
seines guten Willens hier oben auf
dem dunklen Dachboden nicht an
seinem Platz stand.
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Der kleine Mann las in
diesen großen Pferdeaugen
das große Verlangen, wieder
im Stall zu stehen bei Bauer
Docus, in der Nähe und Wärme
bei „Stute“ und „Hengst“.
Was hatte er doch getan?
Pferde passen doch nicht zu
armen Menschen und Fohlen
sind abends am liebsten bei
Mama „Stute“.
Jantje bat weinend seinen
Papa, ob er Blesse an Bauer
Docus verkaufen würde, er
selbst wagte es nicht, denn
das Kind hatte sich nun auch
schon eine lange Zeit vom
Hof ferngehalten.
Der Bauer „lachte“, er
wusste wohl, dass Jantje
Blesse zurückbringen würde,
darum hatte er für das
wenige Taschengeld sein
Fohlen verkauft. Docus
kannte schließlich das gute
Herz seines kleinen Knechts.
Papa bekam Jantjes
Taschengeld von Docus
zurück, und Papa gab Jantje
stolz das verdiente Geld.
Inzwischen bäumte sich das
Fohlen auf voller Freude,
seine Mutter „Stute“ und
seinen Vater „Hengst“
wiederzusehen. Jantjes Herz
schmolz vor Zärtlichkeit und
Freude, der Sohn war befreit
und wusste nun, dass man
seinen Traum nicht besitzen
braucht, um glücklich zu
sein. |
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Peter De
Brabandere (°1973)
Peter am
Pferdestall. |
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Jantje sagte: „Papa, ich habe dich
gern, und Mama ist die liebste von
der ganzen Welt. Hier ist mein
ganzes Geld, das ist nicht genug, um
euren Traum zu bezahlen, aber es
wird wohl helfen, um die schwierigen
Wintertage zu überstehen.“ Und der
Schornstein rauchte nun jeden Tag.
Mama, die während der ganzen Zeit
ihrer Erzählung vor sich hingestarrt
hatte, schaute jetzt zu ihrem
Toontje. Und weise, wie Mama war,
sah sie in seinen Augen noch ...
Fragen und Verdruss!
Das Fohlen „Blesse“ war nun zwar bei
„Stute“ und „Hengst“, aber es würde
nun doch hart arbeiten müssen und
allein im Stall stehen, wenn es
größer wurde, erzählten Toontjes
fragende Augen.
Mutter erzählte weiter.
Weißt du, Liebling, dass Jantjes
Fohlen auch eine Lektion gelernt
hatte. Es wusste nun, dass es
Menschen mit einem goldenen Herzen
gibt, die alles tun würden, um ihre
Pferde glücklich zu machen. Und die
zum Äußersten ihrer Kräfte gehen.
Aber waren nun nicht gerade sie, die
Pferde, die Stärksten, und wie
können sie ihren menschlichen
Freunden besser danken, als ihre
große Kraft zu schenken!
„Weißt du, mein Liebling, dass Bauer
Jan und sein Pferd hier vom Hof …“,
sprach Mama zu ihrem Kind. Toontje
drückte seinen kleinen Finger gegen
Mutters Lippen und sagte leise:
„Psst …“
Mama brachte ihren kleinen Bengel in
sein Bettchen und zog die Laken bis
zu seinen Ohren, Toontje drehte sich
behaglich, und Mama sagte nur noch:
„Pferde
im Stall träumen schön bei guten
Menschen.“ Und sie gab ihrem Bengel
noch einen Klaps in den Nacken.
Schlaf gut, mein lieber Junge. |
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Für einen Klaps in den
Nacken ist man gewillt, denn
Freundschaft tut gut. Diese Geschichte
„In der Nähe des Hofs“ wurde für meinen
Sohn Peter
De Brabandere (1973
Moeskroen)
geschrieben und für meine Enkel wieder
hervorgeholt.
Mathis (2002
Roeselare)
und Tanguy (2004
Roeselare).
(JM-Kortrijk
„Turmfalke“) |
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Anmerkung: Die verwendeten Vornamen sind nicht
zufälligerweise die Vornamen unserer Großeltern, die auf dem
Rhodeshof wohnten. Es war schon seit Jahren so, dass diese
lieben Menschen sich durch ihr Vorbild und die ausgedachten
Geschichten die Zeit nahmen, ihren Kindern eine gute Bildung
zu verschaffen.
Man sieht Bauer Jans Glück, er setzte Toontje auf diesen
stillen Arbeiter gleich hinter das klingende Glöckchen.
Vielleicht erkennen Sie die „philosophische Mutter“ in der
Geschichte, die mit Liebe erzählt.
„ein schönes Glück, aber man sieht es nicht“ Bauer Jan.
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Gerne ende ich mit einem allgemein
bekannten Spruch, den mein Großvater
mütterlicherseits, Achille Deput, in
Ehren hielt: |
Dort allein kann Liebe wohnen.
Dort allein ist das Leben schön,
wo man still und ungezwungen,
alles füreinander tut. |
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Jean-Marie
De Brabandere (° 1947) (alias
JM-Kortrijk „Turmfalke“ Wervik 1969) fs
(Roger Debrabandere fs (Hector x
Juliana Vanneste) x Marie Deput fa
(Achille x Maria Knockaert))
Peter De Brabandere x Veronique Verbeke
Mathis De Brabandere und Tanguy De
Brabandere |
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